Fachtagung „Zeit für Tapetenwechsel“ und Werkbuch Familienerholung

Fachtagung „Zeit für Tapetenwechsel“ und Werkbuch: Familienerholung – Ein Recht auf Förderung: Potenziale einer zeitgemäßen Kinder- und Jugendhilfeleistung, 2017

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung lud am 16./17. Mai 2017 zum Abschluss der zweijährigen „Werkstatt Qualitätsentwicklung Familienerholung“ nach Berlin. Unter dem Titel „Zeit für Tapetenwechsel“ diskutierten über 90 Teilnehmende aus der Kinder- und Jugendhilfe, des Gesundheitsbereiches, der Politik sowie Hausleitungen und Trägervertretungen der Familienferienstätten. Zentrales Anliegen der Diskussionsrunden und Vorträge war die Stärkung der präventiven Hilfen, die im § 16 Absatz 2 SGB VIII als Familienbildung, niedrigschwellige Beratung sowie Familienerholung und Familienfreizeiten verortet sind. Ziel der präventiven Hilfen ist es, für alle Familien ein Leistungsangebot vorzuhalten, das nachhaltig zur Stärkung erzieherischer Kompetenzen der Eltern, des familiären Zusammenhalts und zur Gesundheit aller Familienmitglieder beiträgt. Im Werkbuch „Familienerholung – Ein Recht auf Förderung“ wird erstmals systematisch dargestellt, wie Familienerholungsarbeit in dieser Hinsicht konzeptionell gestaltet und weiterentwickelt werden kann. Das Werkbuch bündelt die Diskussionen der mit verschiedenen Expert*innen veranstalteten Zukunftswerkstatt, die von Professorin Uta Meier-Gräwe geleitet wurde. Durch die anschaulichen Beispiele guter Praxis ist das Buch auch „Schaufenster“ der Arbeit der Familienferienstätten. Die einzelnen Beiträge stehen jeweils für sich, sie bündeln vieles, was die Arbeit der Familienerholung hilfreich begründen kann.

So beschreibt Uta Meier-Gräwe ausgehend von den Bedarfen, die Familien heute haben, was Angebote der Familienerholung bereits leisten bzw. wie sie zukünftig hilfreich sein können. Und sie belegt, wie sich das Investieren in Familienerholung in volkswirtschaftlicher Hinsicht rechnet. In Kosten-Nutzen-Analysen zeigt sie, was ein Mensch, der am Erwerbsleben teilhat, an Steuern und Sozialabgaben erwirtschaftet und stellt dieses „Plus“ den Kosten gegenüber, die für den Staat entstehen, wenn ein Leben im Transferleistungsbezug verbracht wird. Karolin Königsfeld stellt dar, wie es im Hürther Jugendamt gelang, Familienerholung als Entlastungsangebot in die Jugendhilfeplanung zum § 16 SGB VIII aufzunehmen und dabei langfristig den Ansatz für die Hilfen zur Erziehung zu senken. Wolfgang Hötzel skizziert die Möglichkeiten eines generalpräventiven Verständnisses der „Allgemeinen Hilfen der Erziehung in der Familie“ und benennt die für die Familienerholung bestehenden strukturellen Hemmnisse, die weiterer Klärung auf kommunaler, Landes- und Bundesebene bedürfen. Theresia Heimes und Jörg Stein machen Vorschläge zur Netzwerkbildung auf den Ebenen Familienferienstätte, Landesarbeitsgemeinschaft und Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung. Karin Germer beschreibt Familienferienstätten als Orte der Begegnung und des informellen Lernens. Das Thema „Bildung durch Erleben“ zu erfahren, zieht sich als ein roter Faden durch das Buch. Familienferienstätten und Familienfreizeiten sind Begegnungsorte. Sie schaffen Gelegenheitsstrukturen für informelles Lernen, wie sie der normale Alltag kaum noch bietet. Lernen geschieht zu 70 Prozent durch Erfahrungen. Entsprechend wichtig ist es, solchen Orten und Gelegenheiten Zukunft zu eröffnen.

Das Werkbuch ist kostenlos erhältlich in der BAG Geschäftsstelle (info@bag-familienerholung.de) oder als PDF direkt auf der Website.

Autorin: Dr. Karin Germer, Diakonie Deutschland – Evangelischer Bundesverband, Evangelische Familienerholung

 

Impressionen – Fachkongress 16. und 17. Mai 2017